Stimmen aus der Crew

Wir haben endlich Welle und Regen, alles ist feucht. Der Nordatlantik grüßt: grau, feucht, Dünung, Welle, Wind. Es bummst ganz schön und es ist recht grau. Segelstauen wird zu einer olfaktorischen Herausforderung. Auch wenn es so aussieht, ICH habe nicht ins Bett gemacht. Mit anderen Worten es leckt in die Mädchenkammer. Langsam werde ich eins mit meinem Leesegel. Mein Arm schläft auf Steuerbordbug ständig ein.
Es grüßt die Fremde. Das Geistige kommt hier zu kurz.

Schöne Grüße von der Crew

Kaiserwetter

Kurz nach unserem letzten Blog Eintrag kam er dann, der Rechtsdreher. Seither fahren wir mit der, immer noch haltenden, G1, mit etwa 8 kn Fahrt und erstaunlich flachem Wasser, unserem Routing hinterher.

Im Nebel des gestrigen Tages wurden wir immer wieder von Vögeln, Delfinen und sogar einem Wal eskortiert. Gegen Abend klarte die Sicht deutlich auf und wir hatten eine fantastische Nacht. Der nahezu volle Mond ließ die Segel in Nacht so hell erleuchten, dass die Segelstellung ohne Kopflampe kontrolliert werden konnte. Gekrönt wurden die Nachtwachen durch die eine oder andere Schnuppe-Stern.

Der hell erleuchteten Nacht ging bereits ein Highlight über Tag voraus. Tobi stellte das wohl leckerste Brot, das je auf dem Peter gebacken wurde, her. Dieses Brot stand dem eines Bäckermeisters in keinster Weise hinterher.
Einen Meilenstein unserer Etappe haben wir mit der Zeitumstellung der Bordzeit erfasst. Die Uhren wurden von 10:00 Uhr (US Atlantic) auf 11:00 Uhr (Mittelatlantik) vorgestellt und so fühlen uns damit dem Ziel schon deutlich näher. Im Verlauf des heutigen Nachmittags soll der Wind dann weiter auf 15 bis 20 kn zunehmen und wir hoffen unsere Geschwindigkeit gleichermaßen steigern zu können. Insbesondere sind wir auf die nächste Positionsmeldung der anderen Schiffe um 14:00 Uhr UTC gespannt.

Es grüßt euch die Petercrew von 46°58’N 50°55’W

Irgendwie alles Klo

Nach etwa 20 Stunden im Schlepp der Gulden Leeuw aka. Race Control spielte sich eine gewisse Schlepproutine in der Crew ein. Die allgemeine Entspanntheit wurde allerdings unterbrochen, als die Klopumpe spontan ihren Dienst einstellte. Warten, Gutes Zureden und Beten half alles nichts, irgendetwas blockiert das Rohr. Während ein Teil der Crew sich mit der astronomischen Navigation beschäftigte, spielte der andre Teil mit dem Entwässerungssystem des PvD. Als sich nach der Zerlegung der Klopumpe und des Zweiwegehahns immer noch nichts rührte, mussten größere Geschosse aufgefahren werden. So wurde das Ventil am Bordauslass geschlossen und mit der Lenzpumpe Gegendruck aufgebaut. Der Plan ging voll auf, mit einem leisen Knall löste sich die Verstopfung und der Inhalt des Rohres verteilte sich homogen im Waschraum. Unglücklicherweise befand sich ein Crewmitglied zur Erfolgskontrolle eben in diesem Raum und sah es kommen…

Also wurde die Schleppverbindung getrennt und eine Badung und ein ausgiebiger Bootsputz durchgeführt – Kommentar der Gulden Leeuw: „It happens everywhere“ und „you are very entertaining“. Die letzten 15 Meilen zur Startlinie legten wir dann aus eigener Kraft zurück.

20:00 Uhr UTC, die Startlinie rückt näher, die Spannung steigt. Bei schwachem Wind soll die G1 gesetzt werden. Plötzlich hören wir ein sehr unschönes Geräusch. Der Vorliekstreifen der G1 ist im Kopfbereich auf etwa 20 cm eingerissen. Der Startvorgang wird abgebrochen und es werden Pläne geschmiedet wie das Segel repariert werden kann. Die Segelreparaturen zogen sich bis spät in die Nacht. Da wir es einfach nicht mehr ausgehalten haben sind wir dann doch um 22:34:11 Uhr UTC mit der G3 gestartet. Um 23:30 Uhr UTC konnte dann auch die Reparaturcrew einen Erfolg vermelden und das große am Wind Segel wurde gesetzt. Jetzt um 12:36 Uhr UTC segelt die Crew bei guter Stimmung und Geschwindigkeit, und hoffen auf den angekündigten Rechts-Dreher.

Schöne Grüße, die Crew

Update Regattastart & Danksagungen

All diejenigen, die unsere Reise bisher verfolgt haben, werden bestätigen können, dass die STI-Rennleitung es bei Start- und Finishprozederen an Kreativität nicht mangeln lässt. Aber dazu später mehr.

Rückblickend können wir, so glaube ich, sehr froh sein, vor Halifax noch eine Nacht vor Anker verbracht zu haben. Denn als wir Samstag Vormittag einlaufen, bricht sofort große Geschäftigkeit aus: Riggkontrolle, Segel abholen, Ersatzteile verbasteln und den Supermarkt auskundschaften. Zweieinhalb Tage sind vielleicht etwas wenig für die letzten Vorbereitungen einer Atlantiküberquerung, aber das machten Crew und Schiffer durch ebenso großen Eifer wieder wett.
Bei feinstem Sonnenschein und reichlich Salutschüssen sind wir dann schließlich gestern aus Halifax herausparadiert. Da bei dem ein oder anderen der noch winterbleichen  Neuankömmlinge die Sonne bereits ihren Tribut gefordert hatte, ließen wir die Flasche mit Sonnenmilch kreisen. Die Zeit bis zum Start um 2030 UTC, 1730 Bordzeit verging wie im Flug mit Reffübungen, einer Demonstration des Trysegels und einem Lastminutewechsel von GIII auf Klüver & Fock. Unter Rauschefahrt ging es in die Nacht und Jolie Brise,  Alex II sowie die anderen Yachten waren schnell achteraus.

Leider blieb es nicht lang bei den schönen Bedingungen und der Wind schlief wieder ein. Für diesen Fall hatte sich die Rennleitung bereits in Halifax ein ganz besonderes Szenario überlegt. Und zwar soll es einen Neustart an einer Linie auf dem 55 Längengrad zwischen Freitag 1800UTC und Samstag 1800UTC geben. Bei den schwachen Winden bleibt dem Feld nun leider keine andere Wahl als dorthin zu motoren. Trotz unseres vollen Tanks und der Reservekanister würde das aber unsere Vorräte so ziemlich erschöpfen. Dazu meint die Rennleitung nur, dass die Großen uns Kleine ja in den Schlepp nehmen könnten.Unsere erste Mitfahrgelegenheit war nun Rona II, die trotz der ähnlichen Größe mit deutlich mehr Tankkapazität beglückt ist. Als nächstes ist nun die Gulden Leeuw dran. „Hitch hiking through the Atlantic“ nennt man das.

Das gibt mir aber die Gelegenheit, die große Hilfsbereitschaft unserer Regattakonkurrenten zu betonen. Vielen Dank insbesondere an die Rona II und die Oosterschelde. Darüber hinaus wollen wir uns genauso wie die Vorcrew bei Alards Schwester Harda und ihrer Freundin Laila bedanken, die uns seit Quebec mehrfach zur Seite gestanden haben. Leider hatten wir keine Gelegenheit mehr,  eine Dankeskarte mit einem kleinen Präsent zu übergeben.

Südlich von Canso wird alles gut

Nachdem wir Nils in Port Hawkesbury direkt hinter der Schleuse eingesammelt hatten, ging es – wie sollte es anders sein – erst einmal unter Motor weiter. Als kurze Zeit später eine leichte Brise aufkam, war schnell die GI gesetzt, um den Motor endlich mal wieder abschalten zu können. Die Wetten, wie lange die GI wohl stehen bleiben würde, reichten von 20 bis 60 Minuten (vielleicht hatten wir doch ein kleines bisschen Opptimismus eingebüßt 😉 ). Patricia gewann mit ihrer 40-Minuten-Schätzung aber nur deswegen, weil plötzlich sogar die GIII her musste – und auch tatsächlich bis Halifax nicht mehr geborgen wurde. Den Rest der Strecke konnten wir als richtiges Segelboot zurücklegen – mit Krängung und allem, was dazugehört! Die sich schnell aufbauende Welle von vorn gab allen auch direkt die Möglichkeit, sich „einzuschaukeln“ und auf die noch folgenden Etappen vorzubereiten. Doch der Dauersmut Alard schaffte es auch bei ordentlich Lage und Seegang, stets leckere und frische Sachen auf den Tisch zu zaubern, sodass die Seekrankheit gar keine Chance hatte, über anfängliche Stadien hinauszukommen, da die Bäuche ständig beschäftigt wurden. Freitag Abend erreichten wir dann Halifax Harbour und gönnten uns noch eine ruhige Nacht vor Anker – je nach stündlich wechselnder Nebeldichte zwar in Sichtweite unseres endgültigen Liegeplatzes, aber noch fernab vom Landtrubel. Samstag Morgen ging es dann ankerauf und an Land und es wurden wieder fleißig Sachen gepackt, neue Schapps eingeräumt, geplant und proviantiert – Dienstag beginnt der lange Schlag zurück nach Europa, den wir alle kaum erwarten können!

Das Dieselfock-Revier

Frohen Mutes aus Quebec,
doch der Wind? Der bleibt schlicht weg!
Eine Crew aus Optimisten
nutzt jede Chance zum Segel hissen.
Doch stets: nach einer halben Stunde
ist das Wort „Motor“ wieder in aller Munde.

Nicht schlimm ist sonst das langsam sein,
doch wir müssen bald nach Canso rein.
Sonst wird der NiLu sicher bös –
das macht den Schiffer leicht nervös!

Drum brummt der Motor vor sich hin
und da ich kein Übertreiber bin,
glaubt ihr mir sicherlich:
aus zwanzig Stunden wurden sechzich!

Nach einer schönen Nacht Gesegel
heißt es erneut: nicht Schot, sondern Hebel!
So knattern wir unter der Sonne dahin,
die Stimmung bleibt trotz allem gut!
Danke dem Smut!

Lukas für die Crew der siebten Etappe

Aus den Tagebüchern eines weißen Tuchs 1/2

Geboren im Frühjahr in Kiel, schickte man mich noch vor meinem ersten Geburtstag in die weite Welt – meine vielen Geschwister mussten leider zu Hause bleiben. Gut gefaltet und verpackt stand ich erst wochenlang rum, bevor es endlich losging. Dann das erste Mal fliegen – das gefällt mir überhaupt nicht! Alles vibriert und es ist furchtbar laut! Aber immerhin konnte ich in Gesellschaft eines überaus freundlichen Spis reisen, der mich bis gestern noch begleitet hat! In Montreal durfte ich kanadischen Boden betreten. Nachdem ich den Zoll überstanden hatte, ging es dann endlich Richtung Quebec, wo eine sehnsüchtige Crew auf mich warten sollte. Der Kopf der Truppe hat mich sogar mit einem Auto durch die halbe Stadt verfolgt – richtig aufregend! Sie hatten wohl Angst, ich käme zu spät! Stattdessen habe ich meinen Weg ganz alleine gefunden und war drei Minuten vor ihm am Steg – ha! Angekommen an Bord, durfte ich endlich raus aus meiner Verpackung. Ich hatte gerade angefangen, die Sonne zu genießen, als mich die angeblich so sehnsüchtige Crew sofort an einem Metallrohr festzurrte und gleich wieder hinter einer blauen Plane versteckte. Was das soll, ist mir vollkommen schleierhaft – dafür soll ich all diese Strapazen auf mich genommen haben?! Nicht mal einen richtigen Blick auf diese Stadt konnte ich erhaschen, obwohl sie auf den ersten Blick ganz schick aussah. Und von meiner netten Reisebegleitung haben sie mich an Bord dann auch wieder getrennt – ihn haben sie sogar unter Deck gestopft, während ich zumindest draußen bleiben darf. Ich bin mal gespannt, wie das hier weitergeht – noch bin ich von der Reise absolut ernüchtert!

Zwischenstation in Quebec

Am 13.07. begann sie endlich – meine große Reise auf dem Peter über den Atlantik. Zusammen mit Frieda landete ich in Montreal, wo Wolfgang uns in Empfang nahm. Nach einigen Tagen in dieser schönen Stadt mit einer Kombination aus europäisch-französisch geprägten Gegenden und einer typisch US-amerikanischen Downtown ging es zusammen mit Maike in einem absolut für das kanadische „Outback“ geeigneten Mietwagen (*hust*) zur Zwischenstation in Shawinigan. Dort verbrachten wir zwei Nächte in einer Waldhütte im kanadischen Wald – an das Kochen mit Gas konnten wir uns also schon mal gewöhnen und der eine oder andere Plan zum Stehlen des Dieselgenerators wurde auch geschmiedet! Der Paddelausflug am folgenden Tag in den nahegelegenen Nationalpark bescherte uns neben den leider wohl obligatorischen Mücken auch einen Elch inklusive Jungtier, der am Seeufer durchs Wasser stakste und schließlich in einiger Entfernung durch den See schwamm… Am Dienstag, 18.07. ging es dann weiter nach Quebec und damit endlich, endlich aufs Schiff! Die frühe Ankunft gab uns reichlich Möglichkeit zum Erkunden der Stadt, die noch deutlicher europäische Einflüsse zeigt als Montreal – inklusive einer umfangreichen Stadtmauer, die an viele deutsche Altstädte erinnert. Die schöne Aussicht von den verschiedenen Terrassen oberhalb des St. Lorenz-Stroms ist sehr zu empfehlen, ebenso diejenigen Pubs, in denen man Jenga spielen kann! 😉 Die STI hatte auch und gerade in Quebec wieder ein umfangreiches Programm vorbereitet – von der obligatorischen Crewparade (s. Fotos) bis hin zum Feuerwerk, das heute Abend über dem Fluss abgebrannt wird. Morgen gilt es dann, in aller Frühe auszulaufen (Ablegen um fünf Uhr), die Parade mit ca. 40 Schiffen zu bewundern und sich vom dann einsetzenden Gegenstrom nicht wieder nach Montreal schieben zu lassen!

Wir freuen uns alle auf die Segelei nach Halifax und können es kaum erwarten, endlich loslegen zu dürfen

Für die PvD-Quebec-Crew,
Lukas

Sir Peter von Danzig

So muss es sich wohl anfuehlen, wenn man von der Queen geadelt wird. Bei der Preisverleihung in Quebec wurde uns und 4 anderen Schiffen, die die gesamte Regatta mitfahren, eine Kopie des Briefes der Queen ueberreicht, der auf verschiedenen Schiffen von London nach Quebec gebracht worden ist. Wenn ihr wissen wollt, was drin steht, muesst ihr euch noch etwas gedulden bis der Peter wieder in Kiel ist.
Presentation of HRH letter at the Quebec Prize giving – 20 July 17

We were delighted to receive a letter from Her Majesty The Queen before the ships departed Royal Greenwich on their journey to Quebec.

The letter has changed ship in each race port, starting on Wylde Swan, then transferring to Jolie Brise in Sines, then HMCS Oriole in Bermuda where it was handed over via the Queens representative there, the Governor of Bermuda, before being transferred to Rona II in Boston.

Since this event began in April in London, many ships have joined the fleet or departed in various ports along the way, however five vessels have been with us from the very start, and four of those will be part of the fleet that departs here to Halifax and then races back across the Atlantic to France, the fifth (Wylde Swan) staying in Canadian waters for another month for the Outport programme.

The five vessels presented with a copy of the letter were: Jolie Brise, Blue Clipper, Wylde Swan,Peter von Danzig and Rona II

Schwacher Wind, starke Eindrücke an Land

Die letzte Woche gibt es heute einmal in Bildern, natürlich inklusive dem Beweis, dass wir wirklich Wale gesehen haben und uns die nicht nur im Gasthof „zum tänzelnden Peter“ etwas beschwipst eingebildet haben 😉

Vom Ankerplatz vor der Ile du Bic nach Rimouski sind wir dann bei bestem Sommerwetter unter Spi gesegelt. In Rimouski wurde Canada 150 mit einem großen Stadtfest gefeiert, die Hauptstraße war gesperrt, statt Autos gab es dort also Musik und Bier an allen Ecken und so haben wir französisch-  und englischsprachiger Musik aus den verschiedensten kanadischen Provinzen gelauscht. Und sportlich waren wir auch noch: Die einen etwas gemütlicher am Fluss von Rimouski entlang mit Pausen am Strand und am Biertresen, während die anderen schon früh morgens Richtung Nationalpark du Bic aufgebrochen sind und abends nach 70 km wieder zurück gekommen sind. Zuerst am Wasser entlang, immer auf toll ausgebauten Fahrradwegen, mit einem kurzen Stopp an einer französischen Bäckerei, ging es ein paar Berge hoch und runter zum Nationalpark. Auch hier konnten wir die kleinen Buchten mit dem Rad erkunden, den Blick über Salzwiesen und kleine Inseln streifen lassen und einige historische Häuser anschauen. Ein bisschen wandern waren wir auch, oder besser gesagt von Stein zu Stein kraxeln und zwischendrin die wohlverdiente Mittagspause. Nach Rimouski hat uns dann leider der Wind verlassen und der Strom war mal mit und mal mit 4,5 kn gegen uns. Dafür hat sich die Wassertemperatur zu unseren Gunsten entwickelt, hatten wir in der einen Nacht noch 4,9°C, waren es dann am nächsten Abend kurz vor Quebec 22,5°C.

Christina für die Peter Crew