Aus den Tagebüchern eines weißen Tuchs 1/2

Geboren im Frühjahr in Kiel, schickte man mich noch vor meinem ersten Geburtstag in die weite Welt – meine vielen Geschwister mussten leider zu Hause bleiben. Gut gefaltet und verpackt stand ich erst wochenlang rum, bevor es endlich losging. Dann das erste Mal fliegen – das gefällt mir überhaupt nicht! Alles vibriert und es ist furchtbar laut! Aber immerhin konnte ich in Gesellschaft eines überaus freundlichen Spis reisen, der mich bis gestern noch begleitet hat! In Montreal durfte ich kanadischen Boden betreten. Nachdem ich den Zoll überstanden hatte, ging es dann endlich Richtung Quebec, wo eine sehnsüchtige Crew auf mich warten sollte. Der Kopf der Truppe hat mich sogar mit einem Auto durch die halbe Stadt verfolgt – richtig aufregend! Sie hatten wohl Angst, ich käme zu spät! Stattdessen habe ich meinen Weg ganz alleine gefunden und war drei Minuten vor ihm am Steg – ha! Angekommen an Bord, durfte ich endlich raus aus meiner Verpackung. Ich hatte gerade angefangen, die Sonne zu genießen, als mich die angeblich so sehnsüchtige Crew sofort an einem Metallrohr festzurrte und gleich wieder hinter einer blauen Plane versteckte. Was das soll, ist mir vollkommen schleierhaft – dafür soll ich all diese Strapazen auf mich genommen haben?! Nicht mal einen richtigen Blick auf diese Stadt konnte ich erhaschen, obwohl sie auf den ersten Blick ganz schick aussah. Und von meiner netten Reisebegleitung haben sie mich an Bord dann auch wieder getrennt – ihn haben sie sogar unter Deck gestopft, während ich zumindest draußen bleiben darf. Ich bin mal gespannt, wie das hier weitergeht – noch bin ich von der Reise absolut ernüchtert!

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