Es radebrecht: duuuze persons all se way, äh chemin. No showers pas du tout. Also, hier schon, aber nicht an Bord

Immer noch Sainte Anne dM, Sonntag, 9. Juli – und wie es uns ab Donnerstagabend weiter in der Provinz Québec erging.

Sylvain, der Hafenmeister, sieht aus wie der Seebär himself, über die Toppen tätowiert, bärtig, in allen Sprachen der Welt versiert wie einstmals Manfred Krug als LKW-Fahrer oder eben wie Seebär persönlich. Die nötigen Papiere – Sicherheit und so – sind anhand vorhandener Vorlagen der anderen Schiffe fix ausgefüllt, unsere Sicherheitsoffizierin Mareike kann pausieren. Wir bekommen Schlüssel für Dusche und Steg und dann gibt’s erstmal Anlegerbier. Einer der ortsansässigen Liegeplatzinhaber ist für’s nächste Jahr Ableger und lädt uns auf das dazugehörige Bier mit ein. Unsere Frage nach Landstrom bringt zutage, dass wir den passenden Stecker nicht haben. Irgendwer fährt los, zwanzig Minuten später haben wir das Ding, bezahlen dürfen wir es nicht und falls wir morgen ein Auto brauchen …

Peter bastelt, dann brennen die Lichter und die Handys laden. Wir duschen und Christina wirft französischen Gemüseeintopf auf die Back. Danach ausschlafen, zwischendurch der besagte Sturm.

Am Morgen danach findet Antje einen Bäcker, der sich hinter ganz und gar nix in ganz Frankreich verstecken müsste und dessen Produkte alles bisherige nordamerikanische Gebäck um Längen schlagen. Seeheldenfrühstück. Anschließend großer Einkauf: Bier, Briefmarken, Diesel etc., mit dem besagten Auto. Die Crew teilt sich, bereitet das Schiff auf das Festival du maquereau und Tallshipsdingens vor, wäscht Wäsche, beflaggt das Schiff. Dreiers finden einen Fischladen. Norbert geht von Bord.

Gegen 18 Uhr treibt der Schiffer die Crew hektisch zum Festzelt, man kann die Gastgeber nicht brüskieren und zu spät kommen. Wir sind die ersten. Der Schreiber dieser Zeilen wird vom Leiter des Festkommitees umgehend unter großen Worten – „Le Capitaine“ und so’n Zeugs – an einen Honoratioren weitergereicht, vermutet in diesem den Bürgermeister und wird umgehend belehrt, man sei der Präfekt, hierarchisch gleich nach dem Ministerpräsidenten. Der Schiffer sinkt peinlich berührt und leise weinend an die Schulter der unterschätzten Persönlichkeit, wird mit einem Glas Wein getröstet und dann darüber belehrt, man wolle nun zur Eröffnung schreiten, also zu den Schiffen. Wir landen auf dem Nachbarschiff, einem feinen Zweimaster aus Südkarolinien und dort gibt es ergreifende Reden und Schnittchen satt. Der Präfekt beschließt, alle Schiffe sehen zu wollen und wir hetzen an Bord, die letzten einsamen Socken von der Leine im Salon zu nehmen. Der Präfekt mag unser Schiff und uns, befindet aber, dass wir das falsche Bier an Bord haben. Kunststück. Lokalkram, da sind wir doch irgendwie, naja. Budweiser von hier halt – und die kanadischen Biere aus dem Supermarkt trinkt hier auf dem Steg auch keiner. Der Präfekt verabschiedet sich, kommt kurz darauf aber in Begleitung seiner Frau zurück und überreicht uns sein Lieblingsbier, das seiner Frau und eines, das sie noch nicht getestet haben. Man dankt. – Wir hatten mit einem kürzeren Event und keinem Essen gerechnet, verzichten im Weiteren auf die geplanten Nudeln und gehen gleich zu Dreiers Hummer über. Patricia macht Bordmusik. Satt, voller Begeisterung und Getränke erscheinen wir um Mitternacht zur Party, zu spät, im leeren Festzelt. Tags darauf erfahren wir, dass irgendwo in einem Pub … Sei’s drum, wir planen Revanche am Folgetag und gehen schlafen.

Samstag, gleich nach dem Frühstück, fluten Einheimische die Stege, es staut sich an der Zugangskontrolle. Der Rest: Lesen Sie die Titelzeile! Die Crew ist endlich einmal froh, dass der Leithammel so gern und viel sabbelt. Die Kommentare, die mehr oder weniger leise an des Schiffers Ohr geraten – ich verschweige sie hier. Öffentliche Selbstdemontage liegt mir nicht. Saubande! Ganz alleine haben sie mich nicht reden lassen (Danke Antje, Peter, Reemt, …!!!) Sonst nix auszusetzen an der Crew. Ihr versteht.

Der Tag geht, die Kartoffelsuppe kommt. Dazwischen passt noch ein Beer-Tasting. Christina leitet das Ganze neutral, sie mag kein Bier. Mareike ist Präsidentin, wir trinken nebst anderem auf Tillman. Es gewinnt die Gattin knapp vor ihrem Präfekten und weit vor dem noch unbekannten Bier. Die leeren Bierdosen sind dekorativ. Danach geht’s pünktlich auf die Fete. Es gibt Country-Musik, englischsprachige Gassenhauer und zwischendrin lokalfranzösische Lieder, alles live und von der Bühne. Neeskea macht Stimmung, Karo steppt und Henrik groovt. Der lokale Dialekt, gesungen wie gesprochen, liegt scheinbar dicht am Südfranzösischen. Das hilft neben lückenhaften Wortschätzen nicht wirklich weiter, schon tagsüber nicht. Man mag sich trotzdem gegenseitig und sehr offensichtlich schätzt man unsere Anwesenheit hier. Letztlich klappt die Verständigung trotzdem. Es kommt zu einem Intermezzo in einem Pub mit Spieleregal und lecker Cidre, weil die zweite Band des Abend nicht auftaucht. Mareike erklärt mir Rummy Cub. Wir entdecken auf dem Rückweg kurz vor Schluss, dass das andere Duo doch noch im Festzelt spielt. Es kommt zu kurzen Verbrüderungsszenen im kleinen Kreise. Der Abend endet.

Für den Sonntag begibt sich ein Teil der Crew ins Touristische, das erzählt er selber später. Wer an Bord das Wort hat, war ausgemacht und verabredet. De l’Allemagne, cinquante-cinque pieds, étudiants, … Es wiederholt sich, ohne langweilig zu werden. Man kann sich das Land angucken oder mit den Leuten reden. Die Zugangskontrolle und Sicherheitsüberwachung hat wieder die lokale Societé des Tamalous (ta mal ou? = Und wo tut’s Dir weh?) übernommen. Die machen auch sonst irgendwie alles. Der Hafenmeister middenmang. Wir vermuten, dass er niemals schläft, und wenn, dann nicht zuhause. Seine Gattin, auch er hat eine, verneint das. Wie gesagt, man unterhält sich mit und über Tiefgang, nicht auf Schiffe beschränkt.

Unbedingt zu erwähnen ist noch das Tall Ship Roter Sand. Dem Namen zum Trotz kanadisch mit Heimathafen Québec (wenn auch mit deutscher Geschichte), unterwegs in den heimischen Gewässsern und damit im gesamten Sankt-Lorenz-Gebiet. Man besegelt Marinekadetten kleinerer Nationen, Jugendgruppen diverser Herkunft mit oder ohne irgendwelche Probleme und ist schon damit aller Ehren wert. Der erste Offizier ist deutscher Herkunft, Profi, freundlich, hilfsbereit und versieht Wachführer und Skipper des PvD mit umfassenden Insider-Hinweisen zu sämtlichen Untiefen, Ankerbuchten, Strömungsverhältnissen, Besonderheiten von Land, Leuten, Tierarten. Jetzt wissen wir, wo die Wale sind, und warum. Und noch einiges mehr. Danke Peter(!)!!!

Der Tag schließt mit ein wenig Suppe und reichlich Kaiserschmarrn grace à la famille Dreier. Dafür dürfen sie weiterhin auch an Bord und in Norddeutschland Radl-Verleih sagen.

Das war’s. Der Worte sind genug geschrieben, alle Namen sind gefallen, alle haben mitgemacht und alles müsst Ihr auch nicht wissen.

Gute Nacht von Kay und Crew.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *